Den ersten Disco-Besuch hat hier ja wohl jeder einmal erlebt. Sonst wäre sie oder er ja nicht da.
Und wahrscheinlich war dieser Eintritt in eine andere Welt, die so völlig anders als Schulaula, Partykeller oder Lego-Häuschen war, für viele etwas Besonderes.
Oder eine besondere Herausforderung.
Wir wollen hier die Geschichten und Erinnerungen an Euren ersten Disco-Besuch sammeln. Kurz oder lang, aufregend oder eher langweilig, egal. Uns interessiert alles. Wie waren die Leute? Was gab’s zu hören? Wie habt ihr den Laden gefunden? Wie sah es dort aus? Was hattet ihr an?
Thomas Hermanns – Für immer d.i.s.c.o. (Scherz Verlag)
ES IST SOWEIT! ES IST DA! Heute zum ersten Mal das Buch in der Hand gehabt – es ist unbeschreiblich. Es ist glamourös, sexy, gutaussehend – genau wie ein guter Disco Flirt. Und es fühlt sich sehr gut an! Es ist ein richtig dickes Buch geworden, das durch die vielen Bilder und Kästen extrem zum Schmökern einlädt – es ist fast ein Coffee Table Book im kleineren Format. Heute Abend gehe ich tanzen und Champagner trinken! GOOD TIMES!
In dieser ersten Ausgabe unserer Disco-Video-Hitparade steigen wir gleich mit unseren “all-time-favourites” ein. Wir zeigen die Titel, die wir immer geliebt haben und die wir immer lieben werden, so wie wir sie bei YouTube finden konnten.
Los geht’s, wie immer in umgekehrter Reihenfolge:
Platz No 10 : Gonzales – Haven’t Stopped Dancing Yet
Gonzales hat alles, was Disco benötigt. Die Band umfasst fast 30 Musiker, der Rhythmus ist heftig perkussiv, das Orchester grossartig, die Melodie ein Ohrwurm. Und die Outfits und die Farben sind echt Siebziger.
Video und Ton sind leider von geringer Qualität, die Bedeutung von “Ten Percent” ist jedoch enorm. Dieser Titel erschien als erste kommerziell erhältliche Maxisingle (12″). Grund genug, Double Exposure hier zu würdigen. Und für eine bessere Tonqualität hört man hier rein.
Die deutsche Philly-Queen bei Disco ‘75. Das ist eine doppelte Zeitreise in Bild und Ton, denn zeitgleich mit Gloria Gaynor stand dieser Titel mit seinem vollen Sound bei uns in den Hitparaden.
Platz No 7 : Sister Sledge – He’s The Greatest Dancer
Mit dem “Greatest Dancer” ist natürlich ein Tänzer im Studio 54 gemeint und die Textzeile “Halston, Gucci, Fiorucci” ist das heimliche Motto des Studios. Ein charmantes Detail zur Textzeile “please take me home” findet man im Interview mit Sister Sledge, das Thomas für sein Buch mit den Damen geführt hat.
Auch Bollywood wurde von der Disco-Welle erfasst, wenn auch etwas verspätet (Disco Dancer, 1983). Natürlich verbunden mit der Anmut, Erotik und Drama indischer Liebesfilme. Bollywood-Fans und Freunde üppiger Beleuchtung betrachten den gesamten “International Dancing Competition” hier.
Platz No 5 : Linda Clifford – Bridge Over Troubled Water
Der Klassiker von Simon and Garfunkel in einer Powerversion von 1979, produziert von Gil Askey. Das ist ein Prototyp des “House-Anthems” und in der 10:20min von Jimmy Simpson eine Disco-Grundfeste.
Hier in einer besonders schönen Darbietung im ZDF, inklusive Orchester, einem Tänzchen am Ende und zweifarbig beleuchteter Kulisse. Und nein, Frau Charles ist nicht dick.
Dieses Video ist “echt alt” aber auch echt in Stil und Gefühl.
Wer genau hinschaut bekommt viele Anregungen für Originaloutfits und wirklich originale Tanzschritte (von den Frisuren ganz zu schweigen). Und schon damals wurde zitiert (sprich gesampled): ab 1:52 die Bassline von Lovemachine (Supermax, 1977)
Platz No 2 : Love Unlimited Orchestra – Love’s Theme
Das sind die Wurzeln von Disco (1973). Der Groove ist sexy, aber der Beat ist noch verhalten. Die Geigen in voller Pracht, arrangiert von Barry White (Dirigent) und Gene Page (u.a. Diana Ross, Michael Jackson). Von besonderem Interesse: so sieht ein Disco-Orchester aus. Sehr viele Streicher, echte Bläser und eine eigene Rhythmus-Sektion. Dazu viele Mikrophone und ein tanzendes Publikum!
Der original Munich Sound von 1975. Die markanten Streicher bereiten den Weg zum weltweiten Erfolg (Platz 1 der amerikanischen Hitparade). Michael Kunze und Sylvester Levay legen das Fundament für Eurodisco und werden in Amerika gefeiert (aber auch angefeindet). Wer das Interview mit Penny McLean gelesen hat, der hat -wer sehr genau hinschaut – besonders große Freude an diesem Video (Penny, You are just great!)
Ende April 2008 traf Thomas Hermanns Gloria Gaynor in London, um für sein Buch mit der “Queen of Disco” über die Musik und die Anfänge von Disco zu sprechen. Hier ein Auszug davon:
Disco ist ein Lächeln aus dem Herzen.
Thomas (TH): Als ich mit Sister Sledge gesprochen habe und sie fragte: „Was ist das erste Adjektiv, das Euch in den Sinn kommt, wenn Ihr an Disco denkt?“, sagten sie: „uplifting – erhebend, etwas, dass dich aufrichtet“.
TH: Wann sind Sie diesem Gefühl das erste Mal begegnet?
GG: Nun, als wir meine erste Aufnahme Honey Bee gemacht haben. Wir stellten fest, dass plötzlich diese Clubs auftauchten, ich weiß noch nicht mal, ob man die damals Diskotheken nannte, es waren eher Cabarets, sie räumten die Stühle von der Mitte des Raumes vor der Bühne, um überhaupt eine Tanzfläche zu schaffen. Und es gab oft einen Schrank in diesen Läden, da sägten sie die obere Hälfte der Tür weg, nahmen ein einfaches Holzbrett, legten es darüber und da stand dann der DJ in dem Schrank mit seinen Schallplatten – und das war dann die erste DJ-Kabine und der frei geräumte Boden war die erste Tanzfläche. Weiterlesen "Interview mit Gloria Gaynor"
Grace Jones und die Folgen… auf einmal mussten alle Disco Acts kühl und symmetrisch gezeigt werden, nur weil JEAN-PAUL GOUDE es bei Grace so perfekt durchgezogen hat … trotzdem, ein sehr interessantes Cover – hier sind eindeutig die 80er da und die 70ger auf dem Weg raus. Weiterlesen "Sylvester – Call Me"